Naturschützer führten „Dialog im Boot“
WITTENBERGE - Mit „großer Sorge“
nahmen die Teilnehmer einer Elbebootstour, zu der der
Umweltschutzverband BUND eingeladen hatte, „die massiven
Wasserstraßen-Baumaßnahmen vor allem im Raum Havelberg zur Kenntnis“.
Die Arbeiten würden das offizielle Ziel verfolgen, die Elbe weiter zu
vertiefen, obwohl der Gütertransport stetig zurückgehe.
„Obwohl die Elbe derzeit viel Wasser führt,
haben wir an den zwei Tagen der Elbetour nur eine Hand voll Güterschiffe
gesehen, wovon lediglich zwei Schiffe mit Ladung fuhren“, sagte
Professor Jürgen Rochlitz, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen das
Steinkohlekraftwerk Arneburg. Er sieht eine Allianz zwischen dem
Engagement der Bürgerinitiative und dem BUND-Elbeprojekt. „Der Bau eines
Steinkohlekraftwerks bei Arneburg bedingt den Ausbau der Elbe, da die
Kohle von Übersee per Schiff angeliefert werden soll. Doch die
Transporte nach Arneburg wären nicht planbar, weil die Elbe Monate lang
Niedrigwasser führen kann“, so Rochlitz.
Der BUND hatte jüngst Menschen aus allen
Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu der Tour „Dialog im Boot“
eingeladen. Der Einladung folgten 35 Interessierte aus Sachsen-Anhalt,
Niedersachsen, Berlin sowie aus Großbritannien. Die zweitägige Fahrt mit
Schlauchbooten führte von Arneburg bis in die Nähe von Rühstädt.
„Mit großer Begeisterung wahrgenommen wurde die
weite Flusslandschaft mit Hunderten von Graugänsen und Kiebitzen am
Elbufer. Selbst Seeadler und Fischadler waren beim Beutefang zu
bestaunen“, teilte BUND-Elbeexperte Ernst Paul Dörfler mit. Diese
Landschaft habe ein enormes Entwicklungspotential, so die einhellige
Meinung der Teilnehmer. Dieses liege aber nicht im Güterverkehr und
Wasserstraßenausbau, sondern im Natur- und Qualitätstourismus. Mehrere
Teilnehmer waren an Bord, die aus den alten Bundesländern kommend, ihren
Alterssitz in die Altmark und Prignitz gelegt haben. Je stärker die
Elbe verengt und vertieft werde, je mehr ihre Ufer versteint würden,
desto mehr sei diese Landschaft in Gefahr, ihre Reize und Werte zu
verlieren. Damit würde das Beste geopfert, was dieser Landstrich zu
bieten habe.
Nach eingehender Diskussion wurde beschlossen,
die Politik in den Elbe-Anliegerländern aufzufordern, ihrer
Kontrollpflicht besser nachzukommen. Es sei nicht nachvollziehbar, wenn
Jahr für Jahr Millionen Euro für Steinschüttungen an den Elbufern
ausgegeben würden, der Güterverkehr auf der Elbe aber immer
unbedeutender werde, so Dörfler. Fakt sei: Je mehr Steuergeld in die
Wasserstraße geflossen sei, umso weniger sei sie von Güterschiffen
genutzt worden. Dies sei ein Skandal erster Güter und bedürfe der
Aufklärung. (MAZ) Quelle: Märkische Allgemeine vom 19.07.2010
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