Der Energiekonzern GDF Suez (vormals Electrabel) hat angekündigt, sein geplantes Kohlekraftwerk in Stade nicht mehr bauen zu wollen. Das Genehmigungsverfahren zu dem 800-MW-Block war nach einer erfolgreichen Klage von Kohlekraftwerksgegnern ins Stocken geraten und ruhte auf Antrag des Konzerns. Als Grund für die Aufgabe des Projekts nennt der Konzern jetzt Wirtschaftlichkeitsprobleme aufgrund der Lärmschutzbestimmungen. Wegen des voraussichtlichen hohen Aufwandes, der zur Einhaltung von Lärmgrenzwerten, aber wohl auch für das Kühlwassermanagement unumgänglich wäre, ist der Bau nicht mehr rentabel. Die Stadt Stade hielt das Vorhaben am Bützflether Sand bis heute für realisierbar und investierte eifrig in die Vorbereitung entsprechender Bauleitpläne.
Der BUND sieht im Rückzug eines weiteren Betreibers nicht nur einen Erfolg für Stade, sondern ein weiteres Signal für ganz Niedersachsen. Dort waren Anfang 2009 noch sieben Kohlemeiler im Bau oder in Planung. Seit Oktober 2009 wurden die Vorhaben in Dörpen und in Emden von den Investoren aufgegeben. Allerdings sind immer noch zwei Projekte von Dow Chemical / EnBW und E.on allein in Stade in Planung, die das Klima mit 11,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr belasten würden.
Nach Auffassung des BUND ist allein die Frage, das Kühlwassermanagement der Großkraftwerke mit EU-Recht in Einklang zu bringen, für die Vorhaben an der Elbe ein K.o.-Kriterium. Der Rückzug von GDF Suez dürfte daher beim bisherigen Konkurrenten E.on für Unruhe sorgen. Nach Überzeugung des BUND hat sich GDF auch wegen der zu erwartenden Auflagen bei der Kühlwassernutzung zurückgezogen.
Der BUND geht davon aus, dass die Entnahme von Kühlwasser aus der Elbe wegen dort vorkommender geschützter Fischarten nicht genehmigungsfähig ist. Da die E.on-Planung ebenfalls auf Kühlwasser aus der Elbe setzt, wird auch diese Planung in Schwierigkeiten geraten. Auch für die Rückleitung des erwärmten Kühlwassers in die Elbe dürfte E.on nicht ohne weiteres eine Zulassung bekommen, da die Elbe im Sommer ohnehin schon zu warm ist. Darüber hinaus wird auch die vorgeschriebene Vermeidung weiterer Quecksilber-Emissionen dem Betreiber große Schwierigkeiten bereiten.
Quelle: BUND.net